Brauchtum in Rohrbach ist noch immer sehr ausgeprägt und hat vor allem mit den kirchlichen Festen zu tun. Einige Bräuche möchten wir hier aufzählen:

Heilige Drei Könige

Die Ministranten ziehen als Könige verkleidet, auch ein Sternträger ist dabei, am 6. Jänner von Haus zu Haus und sagen Texte auf. Eine Sammlung für die Sternsingeraktion wird gleichzeitig durchgeführt. Das Haus wird mit Weihrauch geweiht und an der Tür wird ein Segensspruch (Christus segne dieses Haus) und die Jahreszahl mit Kreide geschrieben. (2x C + M + B xx).


Holzlizitation

Im Wald (meist Gemeinde) werden Holzverkäufe durchgeführt. Einige Abschnitte werden in sogenannte Lose unterteilt und in Anwesenheit von mehreren Interessenten versteigert. Wer das höchste Gebot für ein Los abgibt ist berechtigt die Bäume in diesem Winter umzuschneiden. Der Holzverkauf wird und wurde hauptsächlich für Ortbewohner durchgeführt, welche nicht im Besitz eines eigenen Waldes sind. Das Holz wird für Heizzwecke verwendet.


Faschingsnarren

Die Kinder aus dem Ort verkleiden sich und gehen am Faschingssonntag oder am Faschingsdienstag in einer Gruppe in jedes Haus. Ein Sprücherl wird gemeinsam aufgesagt und alle hoffen, dass es etwas für die mitgeführte Kassa gibt oder etwas zum Naschen abfällt.


Aschenkreuz

Seinen Namen erhielt der Aschermittwoch, weil Asche der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres, am Aschermittwoch geweiht, und den Gläubigen auf Stirn od. Scheitel vom Priester gestreut (oder vom Diakon gezeichnet) wird. Dabei spricht der Priester:
“ Gedenk o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrest du zurück“.

Der Priester erinnert die Gläubigen damit, dass nun die 40 Tage der Buße und Verzichts gekommen sind und der Mensch sich auf Ostern (höchstes christliche. Fest) mit Körper und Seele vorbereiten soll!

Im Brauchtum hat sich am Aschermittwoch der Heringsschmaus als Fastenspeise eingebürgert, da man auf Fleisch verzichten soll.


Kreuzweg

An den Sonntagen vor Ostern findet in der Pfarrkirche eine Kreuzwegandacht statt.

14 Stationen, die die Passion Christi darstellen. Jede Station steht für ein Ereignis und gleichzeitig für den Ort des Geschehens in Jerusalem und auf Golgotha. Insgesamt stellen die Stationen den Leidensweg Jesu dar. Man findet die Darstellungen in Form von Bildern an den Wänden Kirche.


Palmsonntag

Warum ausgerechnet Palmen?

Sie wurden schon im Altertum als heilige Bäume verehrt. Im Orient ehrte man siegreiche Soldaten damit. Auch beim Einzug Jesu auf einem Esel reitend winkten die Leute ihm zu Ehren mit Palmzweigen!

Da bei uns keine Palmen wachsen, ersetzte man diese durch Palmkätzchen (Weidenzweige). Diese werden bei uns auch zu Palmbuschen (Buchsbaum, Wacholder, Immergrün auf Haselnuß - Stecken) gebunden und mit bunten Bändern geschmückt. Die Palmkätzchen und Palmbuschen werden dann in der Palmsonntagsmesse geweiht. Jedes Kind bringt dann in die Häuser der Bekannten und Verwandten einen Palmbuschen.


Ratschen

Der Volksmund sagt, die Glocken fliegen am Gründonnerstag nach Rom, um dort geweiht zu werden. Sie kehren erst wieder am Karsamstag zurück.

In dieser Zeit gehen die Ratscherbuam (heute sind auch schon Mädchen dabei) mit ihren Ratschen (Handratschen) durch den Ort. Verantwortlich dafür sind die Ministranten. Früher nächtigte man sogar gemeinsam im Pfarrhof, damit das erste Ratschen um sechs Uhr in der Früh (zum Gebet ratschen) nicht verschlafen wurde.


Osterfeuer

Unser heutiges christliches Osterfeuer entstammt den heidnischen Frühlingsfeuer. Die Bedeutung des Osterfeuers wurde auf Gott übertragen. Der Glauben ist das Osterlicht, Ausgangspunkt unseres Lebens. Weiter steht die Sonne als Sieger über den Winter und als Erwachen nach einer langen kalten Zeit. Ebenso kann das Erscheinen von Jesu gedeutet.

Das Feuer wird am Ostersamstag, am Beginn der Liturgie in der Osternacht vor der Kirche entzündet und geweiht. Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet, die dann in feierlicher Prozession mit dreimaligem Singen des "Lumen Christi" (Licht Christi) in das noch dunkle Gotteshaus getragen wird.


Eierscheiben

Am Ostersonntag oder Ostermontag wird oft das Eierscheiben durchgeführt. Man benötigt dafür eine Rollbahn, welche durch das Aufstellen von zwei Holzrechen hergestellt wird. Zuerst wird ein Osterei von einem Mitspieler weggerollt. Nun versuchen alle Spieler reihum mit einem eigenem Osterei diesem Ei am nächsten zu kommen. Welches Ei am nächsten liegen bleibt hat alle im Spiel befindlichen Ostereier gewonnen. So wie beim bekannten Spiel mit Murmeln. Der Sieger rollt das nächste Ei, welches wieder als Ziel dient.

Bei uns wird das Eierscheiben in einer etwas abgeänderten Form auch um Geld gespielt. Wird ein oder mehrere Eier von einem Mitspieler getroffen, dann zahlt der „Getroffene“ zehn Groschen an den, der das Ei gerollt hat. Bei dieser Form wechseln nicht so viele Eier den Besitzer.


Maibaum aufstellen

Da der Mai im Volksglauben als Beginn der Sommerzeit gilt, ist der Maibaum ein Fruchtbarkeitssymbol, durch das Frühlings- und Sommersegen erbeten werden. Der Brauch, Maibäume aufzustellen, ist weit verbreitet. Nach überliefertem Zeremoniell wird dazu ein Fichten- oder Tannenbaum gefällt, bis auf die Gipfeläste geschält und geschmückt.

Der Maibaum wird in Rohrbach zu Ehren des Ortsvorstehers und des Feuerwehrkommandanten am 30. April aufgestellt. Die Feuerwehrleute, welche den Baum schon Wochen vorher aus dem Wald geholt und bearbeitet haben, werden dann auf Kosten der Geehrten mit Speisen und Getränken versorgt. In den letzten Jahren war es üblich, dass auch die Ortsbevölkerung, natürlich auf eigene Rechnung, an dem Fest teilnehmen konnte.

Früher wurde der Maibaum die ganze Nacht hindurch immer streng bewacht, da nach alter Tradition die jungen Männer der Nachbarorte versuchten, ihn zu entwenden, um ihn dann gegen Auslöse (Getränke, Speisen) zurückzugeben.

Die Nacht von 30. April zum 1. Mai wird auch als Walpurgisnacht (Hexennacht genannt, es ist der Vorabend des Namensfestes der heiligen Walburga, die vor Hexen beschützen sollte) bezeichnet. In dieser Nacht wurde früher von den jungen Burschen allerhand Missetaten angerichtet, wie etwa

- Aushängen von Gartentoren oder Fensterläden,

- Verstecken von Schub- oder Mistkarren auf Bäumen oder im Heu

- Verbarrikadieren der Haustür mit Holzstapeln oder Misthaufen, usw.


Maisteig

Sprüche und auch Zeichnungen werden mit Kalk auf die Straßen gemalt. Manche Geheimnisse kommen dadurch ans Tageslicht. Auch werden Spuren von Haustür zu Haustür gezogen, Liebschaften werden dadurch bekannt gemacht. Am 1.Mai sieht man auf einigen Straßen dann oft verwaschene und unleserliche, weiße Spuren. Hier hat dann jemand versucht, seinen Maisteig vor Anfang des Tages noch wegzuwaschen.


Fronleichnam

ist ein beweglicher Festtag im Jahreskreis. Wird stets am 2. Donnerstag nach Pfingsten, somit 10 Tage nach Pfingsten gefeiert.

Der Name "Fronleichnam" stammt von: "fron" (=Herr), "hehr" (=Lebendiger) "leichnam" (=Leib). An diesem Tag feiern wir, (was am Gründonnerstag nicht so festlich begangen wurde), das Hochfest des Leibes und Blutes Christi (=das letzte Abendmahl)!

In Rohrbach findet alljährlich eine Fronleichnams-Prozession statt.

Bei der Prozession trägt der Priester die Monstranz (die die Hostie beinhaltet und somit den Leib des Herren) die ganze Zeit hocherhoben. Das Volk im Zuge hinterher. Es werden hierbei vier aufgebaute (in alle 4 Himmelsrichtungen ausgerichtete) Altäre angegangen. Bei jedem Altar wird das Evangelium verkündet, Fürbitten gesprochen und der Priester gibt den Segen. Die vier Richtungen erinnern an die vier Himmelsrichtungen.


Sonnwendfeier

Die astronomische Sommersonnenwende fällt auf den 21./22. Juni und markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres auf der nördlichen Halbkugel. Die Nacht der Sommersonnenwende wird zumeist mit der Sonnwendfeier begangen, die mit dem Abbrennen eines Feuers verbunden ist. Auf hoch gelegenen Plätzen wird ein Holzstoß angezündet.

In Rohrbach veranstaltet der Dorferneuerungsverein jährlich eine Sonnwendfeier.


Erntedank

Eines der ältesten Feste, das bereits in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde, als die Menschen den Göttern beim Abschluss des Einbringens der Ernte ihren Dank für die Reifung der Pflanzen darbrachten. Die alten Israeliten feierten bereits das so genannte Laubhüttenfest. Wie viele alte Bräuche wurden Ernterituale von der Kirche übernommen.

Heute ist das Erntedankfest ein religiöses Fest, das meist am letzten Sonntag im September oder früh im Oktober gefeiert wird. Die Kirche wird mit Getreide, Früchten, Gemüse und Produkten aller Art dekoriert. Eine Erntedank-Krone wird in mühevoller Kleinarbeit von den Frauen im Ort für dieses Fest angefertigt und ist Teil der Dekoration.


Barbarazweige

Besonders bekannt und verbreitet ist die Sitte, am Barbaratag einige Zweige, bei uns meistens von einem Kirschbaum, zu schneiden und in das geheizte Zimmer stellen. Kommen die Zweige gerade am Weihnachtsfest zum Blühen, so wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet.


Nikolaus

Wer es noch immer nicht glauben will, dem sei gesagt, dass der Nikolaus wirklich gelebt hat, und zwar im 4. Jahrhundert n. Chr. als Bischof von Myra in Kleinasien.

Dieser als volkstümlicher Heiliger verehrter Schutzpatron der Kaufleute, Bäcker, Schiffer und Schulkinder wird in der Kunst häufig als Bischof mit Mitra und Krummstab, aber auch mit Broten, Äpfeln und anderen Geschenken dargestellt.

An diese Verehrung knüpft der Brauch, vor allem die Kinder am 6.12., dem Nikolaustag, oder am Abend vorher zu beschenken. Manchmal wird er von einem grimmig aussehenden Diener, dem Krampus, begleitet. Der Krampus droht, Kinder zu bestrafen, die nicht brav gewesen sind oder ihre Gebete nicht aufsagen können.


In Rohrbach wird von der Jugend jährlich eine Nikolausfeier veranstaltet.

Ein bekannter Brauch zum Nikolaustag ist der, dass die Kinder ihre geputzten Stiefeln bzw. Schuhe am Vorabend ans Fenster oder vor die Tür stellen und der Nikolaus diese über Nacht befüllt.


Advent

In der Vorweihnachtszeit werden die Häuser mit grünen Zweigen. Fichten- u. Tannenzweigen geschmückt, dies gilt als Sinnbild des Lebens. Auch Eibe, Buchsbaum und Mistel wurden besondere Kräfte zugesprochen.


Turmblasen

Am heiligen Abend tragen einige Musikanten mit Ihren Blechblasinstrumenten Weihnachtsstücke vor. Die Akteure gehen dazu über viele Stiegen bis in den Kirchturm, wo auch die Glocken hängen, hinauf. Von dieser hohen Stelle aus kann man die Musik im Freien schon von Weitem hören.


Silvester

Die Silvesternacht zählt zu den sogenannten orakelhaften Rau- oder Zwölfnächten (vom 25. Dezember bis zum 6. Januar), in denen dem Glauben zufolge die Seelen Verstorbener wiederkehren und Geister erscheinen. Traditionell begleiten den Silvestertag und die Silvesternacht verschiedenste Los- und Orakelbräuche wie etwa das Bleigießen, bei dem zufällig entstandene Bleifiguren in Bezug auf das neue Jahr gedeutet werden. In der Tradition der Abwehrzauber gegen die bösen Mächte und Dämonen der Raunächte stehen das Einschießen des neuen Jahres mit Böllerschüssen und das Silvesterfeuerwerk.

Wieso heißt der "Silvester" so?

Dieser Tag ist benannt nach dem Tagesheiligen, Papst Silvester I.; Er verstarb am 31. 12. 335 in Rom. Zum Gedenken wurde der letzte Tag im Jahr nach dem Sterbetag benannt.


Wieso "Guten Rutsch" ?

Der Wunsch "Guter Rutsch" geht wohl auf den aus dem Rotwelschen stammenden Begriff "Rosch" (was übersetzt "Anfang" bedeutet) zurück.